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Der Deutsche Hörbuch-Preis



Der Deutsche Hörbuch-Preis 2013 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sieben Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Beste Interpretin«

August von Christa Wolf

Der Preis geht an Dagmar Manzel

Jurybegründung:
Dagmar Manzel ist mit ihrer Lesung von Christa Wolfs kurzer letzter Erzählung „August“ ein kleines Meisterstück gelungen. Sie gerät nie in Versuchung, sich in den Vordergrund zu drängen, und doch zeigt sie in diesem Vortrag ganz viel von ihrem herausragenden Können als Sprecherin: Dagmar Manzel schafft es, mit ausgesprochener Sensibilität für den verhaltenen Ton des autobiografischen Textes die geschilderte Episode aus Christa Wolfs Kindheit zum Leuchten zu bringen, ohne jemals in Pathos zu verfallen. Die Geschichte von August berührt den Zuhörer damit ganz unmittelbar und intensiv.

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In der Kategorie »Bester Interpret«

Vielen Dank für das Leben von Sibylle Berg

Der Preis geht an Gustav Peter Wöhler

Jurybegründung:
Mit seiner einzigartigen, androgyn anmutenden Stimme ist Gustav Peter Wöhler die Idealbesetzung für die sprachliche Vertonung dieser Leidensgeschichte. Die herausragende Musikalität des Schauspielers, sein Gefühl für Rhythmus und Klang verleihen dem oft spröden Text passagenweise poetischen Glanz. Wöhler vermeidet schrille Töne, Pathos und skurrile Überzeichnungen. Er liest feinfühlig und unaufdringlich, bisweilen lakonisch. Trotz dieser Zurückhaltung, die gleichwohl Raum lässt für feine Differenzierungen, gelingt es ihm, das Interesse der Hörer für einen ungewöhnlichen, teilweise abstoßenden Stoff durchgängig aufrecht zu erhalten.

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In der Kategorie »Das besondere Hörbuch / Beste Unterhaltung«

Die Känguru-Chroniken. Live und ungekürzt von Marc-Uwe Kling

Jurybegründung:
Mit dem Känguru auf Du und Du – ein unerhörtes Ereignis! Und ein anstrengendes noch dazu: Das Känguru ist u.a. bekennender Kommunist und raubt dem Sprecher argumentativ oder gerne auch provokativ den letzten Nerv bzw. das finale Argument. Auf die Spitze getriebene Spitzfindigkeiten, die nicht langweilig oder seriell werden, aber süchtig machen können. Der besondere Reiz der Dialogminiaturen zwischen Kleinkünstler und Beuteltier liegt im Spannungsverhältnis von Irrealem und Alltag, von „Gibt’s doch gar nicht“ und „Ja, genau“. Man wird als Hörer pointiert ertappt, aber nicht bloßgestellt. Der Live-Mitschnitt dokumentiert und garantiert beste Unterhaltung.

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In der Kategorie »Bestes Hörspiel«

Ulysses von James Joyce

Jurybegründung:
Lebhaft und klar zieht James Joyces Pionierwerk den Hörer in Bann: Auf Initiative von Manfred Hess (SWR) erschließt Klaus Buhlert, Regisseur und Musiker, „Ulysses“ frisch mit grandiosem Ensemble und Kompositionen nach Joyces „Songbook“. So begleiten wir Bloom (Dietmar Bär) und den jungen Dedalus (Jens Harzer) beim Tageslauf und bei Tagträumereien durch Dublin. Aus der Fülle von Erzählformen - wie Szenario, Bewusstseinsstrom, Seemannsgarn - wird ein akustischer Kosmos. Konkurrenzlos nutzt das Hörspiel seine direkten Drähte zu Mündlichkeit und Musik: ein Fest der Wort- und Klanglust.

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In der Kategorie »Bestes Sachhörbuch«

Der heilige Pillendreher von Jean-Henri Fabre

Jurybegründung:
Es waren die Dichter, die in dem Naturforscher Jean-Henri Fabre ihresgleichen erkannten, seine sensible Beobachtungsgabe rühmten und vor allem die beiläufig anmutende Virtuosität, mit der er Winzigkeiten zur Sprache brachte, die ein flüchtiger Blick nie wahrnehmen würde. Wie etwa die mörderische Schlupfwespe über ihren eigenen Tod hinaus die ausschlüpfenden Jungen umsichtig mit Frischfleisch versorgt, hat Marcel Proust wunderbar nacherzählt – gestützt auf Fabres „Erinnerungen eines Insektenforschers“ und voller Bewunderung für die Wahrnehmungs- wie die Beschreibungskunst des 1823 geborenen französischen Entomologen.

Man übertreibt nicht, wenn man Fabre einen Poeten nennt. Seine Landsleute haben ihn schließlich sogar als Kandidaten für den Literaturnobelpreis ins Spiel gebracht. „Der Heilige Pillendreher“ ist ein ebenso unaufdringlich wie eindrucksvoll vorgetragenes Musterbeispiel dieser großen Erzählkunst in nuce, bei der miniaturhafte Existenz- und Überlebenskämpfe in der freien Natur die Dauer von Augenaufschlägen nicht überschreiten.

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In der Kategorie »Beste verlegerische Leistung«

Erzählerstimmen - Die Bibliothek der Autoren von Christiane Collorio, Michael Krüger und Hans Sarkowicz (Hg.)

Jurybegründung:
Der Hörverlag schickt seine Hörer auf eine Entdeckungsreise durch 100 Jahre Literaturgeschichte. Vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart hören wir Originaltöne der wichtigsten deutschsprachigen Autoren, behutsam gehoben aus zahlreichen Archiven und liebevoll ausgestattet. Die Auswahl, die von Aufnahmen aus der Frühzeit der Tonaufzeichnung bis zu exklusiven Lesungen von Gegenwartsautoren reicht, sorgt ständig für neue Überraschungen. Literatur wird so zu einem persönlichen Erlebnis, Autoren zu greifbaren Menschen und das Hören zu einem Abenteuer. Eine editorische Meisterleistung!

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In der Kategorie »Bestes Kinderhörbuch«

Zorgamazoo von Robert Paul Weston

Jurybegründung:
Eine Geschichte voller total verrückter Ideen - und dann auch noch komplett gereimt. Martin Baltscheit erweckt "Zorgamazoo" zum Leben und gibt jeder Figur eine eigene Stimme. Das ist spannend und lustig zugleich, außerdem ganz ungewöhnlich. Diese Geschichte muss man einfach HÖREN!

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Der Deutsche Hörbuch-Preis 2012 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sieben Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Beste Interpretin«

Die hellen Tage von Zsuzsa Bánk

Der Preis geht an Doris Wolters

Jurybegründung:
Mit wunderbar nuancierter Genauigkeit erleuchtet Doris Wolters’ warme, berührend ausdrucksvolle Stimme mühelos die rätselhaft melancholischen Erinnerungen aus Zsuzsa Bánks Roman "Die hellen Tage" und lässt sie in sinnlichem Facettenreichtum noch heller strahlen. Durch hohes Einfühlungsvermögen sowie intelligent forschenden Tastsinn für die geheimen Leidenschaften und die dunkle Wahrheit der Charaktere erschafft Doris Wolters’ unprätentiöse Interpretation ein Juwel souveräner Sprachkunst, das den Zauber eines vergangenen Traumbilds lebendig heraufbeschwört.

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In der Kategorie »Bester Interpret«

Meine Jahre mit Hamburg-Heiner von Sven Regener

Der Preis geht an Sven Regener

Jurybegründung:
Mit Selbstironie, schnoddriger Stimme und einem perfekten Sprachrhythmus verwandelt Regener seine Blogs in eine Performance ganz eigener Art. Die skurrilen Texte, über einen Zeitraum von fünf Jahren auf verschiedenen Websites veröffentlicht, wirken in seiner Lesung so, als seien sie von Anfang für diesen Zweck geschrieben worden. Wer einmal gehört hat, wie Regener ins Schwadronieren gerät und mit leichter Hand sein Seemannsgarn spinnt, braucht keine andere Ausgabe des Buches mehr. Stark!

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In der Kategorie »Das besondere Hörbuch / Besonderer Wagemut

Die künstlichen Paradiese von Charles Baudelaire

Jurybegründung:
Charles Baudelaires Essay „Die künstlichen Paradiese“ ist Analyse des Rausches und zugleich unendliche Sehnsucht danach, von der auch Baudelaires Gedicht „Berauschet euch“ getragen wird. Zwölf unterschiedlichste Musiker haben sich von diesem Gedicht zu leidenschaftlichen musikalischen Interpretationen inspirieren lassen, die der Regisseur Kai Grehn mit Baudelaires Essay als Fundament zu einer Collage des Rauschhaften verdichtet. Alexander Fehling, Jule Böwe und Jeanne Moreau leihen dem großen französischen Autor ihre Stimme. Wie leicht es sein kann, „mit einem einzigen Flügelschlag das Paradies zu erlangen“ – Verführung pur!

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In der Kategorie »Beste Information«

MÜLLER MP3. Tondokumente 1972–1995 von Heiner Müller, Kristin Schulz (Hrsg.)

Jurybegründung:
Heiner Müller sei mit Abstand der beste Sprecher seiner Texte. Und zwar vor allem deshalb, „weil er nicht so tut, als ob er sie versteht“, hat ein geistreicher Connaisseur geurteilt. Der Dichter selbst untertreibt lieber: Das Langweilige an diesen Texten sei doch, „dass ich das alles schon geschrieben habe“. Das klingt kokett, hat aber einen wahren Kern. Der zeigt sich, wenn man die klugen Essays, Kommentare, Aus- und Zwischenrufe nicht bloß liest, sondern von ihm selbst gesprochen hört.

Und ihm Zeit lässt, die Themen und den Tonfall zu variieren: Nicht bloß wichtig und schwergewichtig zu raunen, sondern klaren Tisch zu machen - laut zu denken, ohne selbstverliebte Umschweife und selbstgefälligen rhetorischen Zierrat. Da wirkt er, in seinen Reden allemal, nicht nur knapper und bündiger, sondern auch präziser, wenn nicht luzider, leichtfüßiger, eleganter. Man kann sich in der umfassend zu nennenden Ausgabe der Müllerschen Tondokumente aus den Jahren 1972 bis 1995, die Kristin Schulz für den Alexander Verlag herausgegeben hat, nun leicht davon überzeugen.

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In der Kategorie »Bestes Kinderhörbuch«

Die Füchse von Andorra von Marjaleena Lembcke

Jurybegründung:
„Die Füchse von Andorra“ erzählt zwei Geschichten: eine über Freundschaft und eine über Familie. Die Erzählerin, das Mädchen Sophie, ist ein Vierling, hat also drei gleichaltrige Geschwister, die immer (für sie) da sind. Trotzdem wünscht sie sich eine beste Freundin – ihre Klassenkameradin Alice, die so mutig anderen die Meinung sagt. Die zweite Geschichte handelt von der Krankheit von Sophies Mutter. Sie leidet an Depressionen, die sie immer sehr traurig werden lassen. Das ist nicht leicht für Sophie und ihre Familie. Man taucht richtig ein in das Hörspiel. Das liegt an den guten Sprechern und an passenden Geräuschen und Musik. Besonders gelungen sind die Dialoge, die Personen reden so, wie in Familien heute gesprochen wird.

Es ist eine realistische Erzählung, so könnte es sich wirklich ereignen. Zum Glück geht am Schluss alles gut aus! Bis dahin ist es sehr bewegend und anrührend. Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Man beginnt selbst zu überlegen, was man an seinem eigenen Leben, seiner Familie liebt – oder eben nicht. Und wie es sich wohl anfühlt, wenn eine Krankheit so traurig macht. Vielleicht fehlt einigen Hörern Spannung oder Action, so ging es uns Jungs in der Jury. Besonders wichtig war uns als Kinderjury aber, dass „Die Füchse von Andorra“ zu unserer Kategorie passt, wir sollten das beste Kinderhörbuch auswählen. Und diese Produktion ist etwas für viele Kinder: 8-Jährige können die Handlung gut verstehen, aber auch 12-Jährige werden die Geschichte nicht langweilig finden.

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In der Kategorie »Beste Fiktion«

RUHE 1 von Paul Plamper

Jurybegründung:
Unwiderstehlich macht Paul Plamper den Hörer zum Ohrenzeugen. Spannungsreich wechselt da im Café Gruppenpalaver von Teenagern, Sportfrauen oder Business-Konkurrenten mit Zwiegesprächen von Verliebten, Verkrachten, Kleinbürgern und Intellektuellen. Doch als draußen vorm Fenster Gewalt eskaliert, beginnt ein Schockmoment beunruhigender Ruhe: Keiner greift ein. Hellhörig für Schweigen, Redeweisen und Ausreden schafft Plamper ein seismographisches Gesellschaftspanorama. „RUHE 1“ ist ein Glanzstück, zudem ein Musterbeispiel für Ziele und innovative Wege der Internet-Edition „Hoerspielpark“.

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In der Kategorie »Beste Verlegerische Leistung«

Ausgezeichnet wird der Verlag DOM publishers für
Architektur zum Hören. Zumthor/ Libeskind / Hadid von Moritz Holfelder

Jurybegründung:
Architekturvermittlung lebt vom Bild. Audio-Monografien über Architekten sind deshalb eine Herausforderung für Fachleute und Laien. Der Verlag DOM publishers hat die Mutprobe bestanden. Dem Autor gelingt mit den Porträts der Star-Architekten Zumthor, Hadid und Libeskind das scheinbar Unmögliche: Er macht Architektur hörbar. Ohne didaktische Attitüde erzählt er die Entstehungsgeschichte einzelner Bauwerke, beschreibt fotografisch genau ihre architektonischen Strukturen und erschließt über die Komposition von Geräuschen und Musik den spezifischen Klang ihrer Räume. In unterhaltsamen, sorgsam ausgewählten Interviewausschnitten erfährt der Hörer von den Architekten selbst Hintergründe über die Quellen ihrer Inspiration, wird Ohrenzeuge ihrer Visionen und Obsessionen. Ein besonderes Lob verdient das Cover der CDs sowie das fein bebilderte und getextete Booklet.

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»Sonderpreis für das Lebenswerk«

Der Preis geht an Christian Brückner

Anlässlich der zehnten Vergabe des Deutschen Hörbuchpreises wird 2012 erstmals ein Sonderpreis für herausragende Leistungen im Hörbuchgenre vergeben. Diese Auszeichnung geht an den Sprecher und Hörbuchproduzenten Christian Brückner, der damit für sein Lebenswerk geehrt wird.

Jurybegründung:
„Kaum ein anderer Interpret hat die ‚Zunft des Sprechers’ so geprägt – und prägt sie noch – wie Christian Brückner. Er ist nicht nur Leser oder Sprecher eines Textes, sondern er zeichnet sich stets durch eine ganz eigene, durchdachte Haltung zum jeweiligen Text aus. Er spürt Informationen, Emotionen und Zwischentöne auf, macht sie hörbar und verleiht dem geschriebenen Wort damit eine unverwechselbare akustische Dimension. Als Interpret ist er eine Klasse für sich.“





Der Deutsche Hörbuch-Preis 2011 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sieben Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Beste Interpretin«

Nichts. Was im Leben wichtig ist von Janne Teller

Der Preis geht an Laura Maire

Jurybegründung:
Das grandiose Solo hat einen Namen, den man sich merken sollte: Laura Maire. Ihre Stimme ist glockenhell, verführerisch frisch, spielt mit sanft erotischen Untertönen. Sie lässt von Anfang an, wenn auch angenehm unaufdringlich, Rätsel anklingen. Als atemraubend betörende Erzählerin berichtet Laura Maire mit der wissenden Stimme einer Heranwachsenden - weder altklug noch abgeklärt – sondern mit juvenil forscher Neugierde - die allemal zu erkennen gibt, wie abgrundtief das Erschrecken sein kann, wenn das Leben überraschend ernst macht.

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In der Kategorie »Bester Interpret«

Schuld von Ferdinand von Schirach

Der Preis geht an Burghart Klaußner

Jurybegründung:
Es sind schaurige Geschichten, die der erfolgreiche Strafverteidiger und Bestsellerautor Ferdinand von Schirach der Wirklichkeit abgelauscht hat. Sie handeln davon, wie leicht Verbrechen und Gewalt in unseren scheinbar so wohlgeordneten Alltag einbrechen können. Der Schauspieler Burghart Klaußner bewahrt den kargen, an mündliche Berichte erinnernden Stil des Autors. Im besten Sinne ist er der Erzähler dieser Geschichten und nicht etwa ein Vortragender. Mit kühler Präzision verleiht er diesen Kurz-Dramen um Schuld und Sühne eine ungeheure Kraft und Intensität, die über die der literarischen Vorlage noch hinausgeht – und im Hörer lange nachwirkt.

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In der Kategorie »Das besondere Hörbuch / Beste Bearbeitung

Das Haus. House of Leaves von Mark Z. Danielewski

Jurybegründung:
Kaum neu bezogen, wankt der feste Wohnsitz: Unter dem Heim wuchert Unheimliches. Danielewskis Kultroman vereint den elementaren Albtraum mit Zitaten von Dante bis Derrida. Raffiniert macht Thomas Böhm aus dem topo- und typografischen Textlabyrinth eine akustische Expedition. Den geballten Horror aus Fragmenten und Fragezeichen verteilt er auf drei Ebenen, die zum interaktiven Zapping locken. Gebannt wird der Hörer zum Abenteurer auf der Jagd nach dem blutroten Faden.

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In der Kategorie »Beste Information«

Nelly Sachs / Schriftstellerin / Berlin/Stockholm von Nelly Sachs u.a.

Jurybegründung:
Dem Produzenten- und Verlegerteam von speak low, Vera Teichmann und Harald Krewer, ist mit dem eindringlichen Porträt der großen deutschen Lyrikerin und Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs ein akustisches Kleinod gelungen. O-Töne von Nelly Sachs und Paul Celan, der beiden Sachs-Experten Aris Fioretos und Hans Magnus Enzensberger sowie Gedichte rezitiert von der Schauspielerin Katharina Marie Schubert werden zu einer äußerst zarten und zugleich wortgewaltigen Hommage gestaltet. Mit einem großen Gespür für den poetischen Kosmos von Nelly Sachs zeichnet das Feature das von Flucht und Verwandlung geprägte Leben und Schaffen der Schriftstellerin nach.

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In der Kategorie »Bestes Kinderhörbuch«

Kuckuck, Krake, Kakerlake von Bibi Dumon Tak

Jurybegründung:
Die sprachlich wohl komponierten Miniaturen dieser Produktion, allesamt kurze Exkursionen in die mitunter entlegenen oder übersehenen Regionen unserer Fauna, werden Ihre zoologischen Kenntnisse erweitern oder auffrischen. Präzise ausgewählte, aufeinander abgestimmte Sprecher und eine ausgefeilte akustische Dramaturgie beleben und bereichern die Textvorlage entscheidend. Das so entstandene unterhaltsame wie interessante Füllhorn kleiner Pretiosen kann man wohl dosiert genießen oder aber -weil sie durch die Vielzahl erstklassiger Stimmen abwechslungsreich genug sind- in einem Rutsch durchhören. So oder so, das Hörbuch bestätigt: Die Natur ist unglaublich und wunderbar - und Wissen macht Spaß.

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In der Kategorie »Beste Fiktion«

Das Geisterhaus von Isabel Allende

Jurybegründung:
Wer nach dem Buch und dessen Leinwandversion ein solch opulentes Epos zu einem Hörbuch verarbeiten will, braucht einen gewieften Regisseur, wie Walter Adler und einen erfahrenen Komponisten, wie Pierre Oser. Die Produktion wurde mit vielerlei Recht in der Kategorie "Beste Fiktion" als Hörbuch des Jahres 2010 ausgezeichnet. Verdient hat diese Auszeichnung aber auch das große Ensemble von Sprecherinnen und Sprechern, die ihr Können in überbordende Spielfreude münden ließen und so ein kurzweiliges Hörtheater zuwege gebracht haben.

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In der Kategorie »Beste Verlegerische Leistung«

Ausgezeichnet wird Cybele Records für die Reihe »Edition Künstler im Gespräch«

Jurybegründung:
Die Dokumentations-Reihe Edition Künstler im Gespräch stellt in porträtierenden Interviews und kundig ausgewählten Ton-Dokumenten Komponisten der Moderne wie Karl Amadeus Hartmann, Hans Erich Apostel oder Hans Werner Henze einem breiteren Publikum vor. Dem Team um Mirjam Wiesemann gelingt es, wichtige Werke der neueren Musikgeschichte aus dem Klassik-Museum zu befreien und neu zugänglich zu machen. Ein schlüssiges und mutiges verlegerisches Konzept, das hohe Anerkennung verdient und dessen versierte Umsetzung die Jury mit der Auszeichnung fördern möchte.

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Der Deutsche Hörbuch-Preis 2010 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sieben Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Beste Interpretin«

Geschichte einer Ehe von Andrew Sean Greer

Der Preis geht an die Schauspielerin Maria Schrader

Jurybegründung:
Maria Schraders Interpretation besticht durch die intelligente Gliederung ihres Vortrags, ihre hohe inhaltliche und atmosphärische Konzentration und einen selten anzutreffenden, ausgeprägten Sinn für die Entwicklungslinien des Stoffs. So wird von ihr insbesondere die Figur der Protagonistin facettenreich aufgebaut und entfaltet. Diese baut sich, zumal in ihrer Widersprüchlichkeit, zu einem lebendigen Charakter auf, dessen existenzbedrohende Auseinandersetzungen zutiefst berühren.

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In der Kategorie »Bester Interpret«

Doppler von Erlend Loe

Der Preis geht an Andreas Fröhlich

Jurybegründung:
Andreas Fröhlich, der bereits zum dritten Mal hintereinander für den Deutschen Hörbuchpreis als bester Interpret nominiert war, ist immer ein Meister der Dialoge mit einem großartigen Gespür für den Erzählton und den Rhythmus einer Geschichte. Wie er hier die totwitzige und zutiefst tragische Geschichte von Andreas Doppler vorträgt und sich in die midlife-krisengeschüttelte Figur geradezu hineinliest, die sich fern jeglicher Zivilisation im Wald endlich ein Leben nach den eigenen Bedürfnissen aufbauen will, ist grandios.

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In der Kategorie »Das besondere Hörbuch / Bester Krimi

Der Himmel auf Erden von Åke Edwardson

Jurybegründung:
"Der Himmel auf Erden" ist eines der besten Bücher eines der besten Krimiautoren Skandinaviens. Eine ungeheuerliche Geschichte über alltägliche Verbrechen und ihre Folgen. Wie der Schauspieler Matthias Brandt die Charaktere dieses schaurigen Romans verlebendigt, wie er sich in der Rolle des Täters an seine jungen Opfer heransäuselt ist haarsträubend gut und ganz große Sprechkunst. Eine Meisterleistung von beiden - Autor und Interpret.

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In der Kategorie »Beste Information«

Thomas Bernhard, Siegfried Unseld - »Briefwechsel«

Jurybegründung:
So prägnant und nuanciert waren Thomas Bernhard und Siegfried Unseld noch nie zu hören wie hier im Briefwechsel, in dem Peter Simonischek und Gert Voss ihre kongenialen Fürsprecher sind. Mit österreichischem Timbre vertritt Simonischek Ingrimm, Intelligenz und Monomanie Bernhards, Voss als Unseld die Stimme der Vernunft, des kühlen Kalküls, aber auch der Empathie. Als Duett und Duell ist dies das Drama von Autor und Verleger.

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In der Kategorie »Bestes Kinderhörbuch«

Wie man unsterblich wird von Sally Nicholls

Jurybegründung:
Aus einem besonderen Buch ist ein herausragendes Hörspiel entstanden: Eindrucksvolle Sprecher und eine behutsame, kluge Regie schaffen ein ernsthaftes, unpathetisches Kunst-Stück, das Leichtigkeit verströmt und seine Hörer zugleich traurig macht und dennoch hoffnungsvoll stimmt.

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In der Kategorie »Beste Fiktion«

Alexander Kluge - »Chronik der Gefühle«

Jurybegründung:
Karl Bruckmaier ist - nach Peter Weiss' »Ästhetik des Widerstandes« 2008 – ein außerordentliches Werk gelungen: in 14 etwa einstündigen Hörstücken hat er die Kapitel aus Alexander Kluges erzählerischem Hauptwerk »Chronik der Gefühle« neu komponiert und auditiv inszeniert. Das Ergebnis ist eine beeindruckende und immer wieder neu anregende Serie in sich geschlossener und miteinander verknüpfter Sendungen. Der Wechsel der Medienformate, der in Kluges gesamten Werk genuiner Ausdruck seiner Literatur ist, wird durch Musikeinsatz, Lesungen, Schnitte, Überlagerungen und die rückblickende Stimme Alexander Kluges selbst zu einer faszinierenden Enzyklopädie der Empfindungen unserer Gegenwart und jüngeren Vergangenheit.

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In der Kategorie »Beste Verlegerische Leistung«

Ausgezeichnet wird headroom für die Reihe »wegwärts« z.B. Irland und San Francisco

Jurybegründung:
Die schönsten Reiseführer sind solche, die nicht bloß den Weg zeigen, sondern Verlangen nach mehr wecken: Lust aufs Verweilen machen und begründete Vorfreude auf Wiederkehr. Die Reihe „wegwärts“ von „Headroom“ hat solche Hörbücher im Programm und wird daher als „beste verlegerische Leistung“ ausgezeichnet. Zu rühmen ist am Rande neben dem originellen Reihentitel die bemerkenswert liebevolle Gestaltung, akustisch wie optisch. Sie nutzt den ausfaltbaren Schutzumschlag nicht allein zur Illustration des Reiseziels, sondern ebenso als Landkarte beziehungsweise als übersichtlichen Stadtplan. Den Deutschen Hörbuchpreis erhält „Headroom“ jedoch vor allem für den verlegerischen Wagemut, die Risikofreude.

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Der Deutsche Hörbuch-Preis 2009 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sieben Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Beste Interpretin«

Enigma Emmy Göring von Werner Fritsch

Der Preis geht an die Schauspielerin Irm Hermann

Jurybegründung:
Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin Irm Hermann verkörpert im Satyr-Spiel „Enigma Emmy Göring“ die Nazi-Gattin mit aller Verve. Es ist ein furioser Monolog, der zeigt, wie raffiniert Emmy Göring ihre scheinbare Naivität inszenierte. Irm Hermann lässt hinter der banal-biedereren Fassade böse Machtgier hervor scheinen.

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In der Kategorie »Bester Interpret«

Ilias von Homer

Der Preis geht an Manfred Zapatka

Jurybegründung:
Klug hält Zapatka Dialoge und Erzählpassagen auseinander. Einerseits gibt er in direkter Rede gegnerischen Wortführern stimmliches Profil oder versetzt sich in Kontroversen von Göttern und Göttinnen. Andererseits waltet er souverän über allen Fronten. Seine vielseitige Stimme trägt und prägt Homers Erzählkosmos. Mehr noch, die Spannweite seiner Tonlagen wie sein Sinn für Tempi und Pausen erschließen das große Werk.

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In der Kategorie »Das besondere Hörbuch / Klanggestaltung

Reise ans Ende der Nacht von Louis-Ferdinand Céline

Jurybegründung:
Die Produktion besticht durch ihr beeindruckend konsequentes, dabei vielschichtiges klanggestalterisches Konzept: Die anfangs folkloristisch anmutende Komposition des Berliner Künstlers Zeitblom erfährt eine mehr und mehr minimalistisch-unterkühlte Umdeutung und nimmt sowohl Protagonisten als auch Hörer mit auf eine faszinierende Reise ins Leere.

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In der Kategorie »Beste Information«

Die Stammheim-Bänder

Jurybegründung:
Die O-Ton-Collage ist in ihrer Kargheit und Konzentration auf das gesprochene Wort der Gegenwart und der Vergangenheit ganz der Theater- wie auch Hörspielästhetik der 1960er und 1970er Jahre verpflichtet. Diese Referenz ist ausdrücklich eine Besonderheit in der gegenwärtigen Hörbuchproduktion. Wir empfehlen dieses Stück als einen bestmöglichen Einblick in die Auseinandersetzungen jener Zeit und die staatlich-gegenkulturellen Rituale einer fremden Welt.

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In der Kategorie »Bestes Kinderhörbuch«

Der Krieg der Knöpfe von Louis Pergaud

Jurybegründung:
Die Regisseurin Judith Lorentz schafft eine Neuversion, die den Kinderbuchklassiker originell akustisch erschließt. Sie baut dabei auf Henrik Albrechts Komposition, auf ein pfiffiges Sprecherensemble und auf ihren souveränen Sinn für Rhythmus und Zwischentöne. Musikalität, Relevanz und Witz vereinen sich zum Hörvergnügen.

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In der Kategorie »Beste Fiktion«

Herr Lehmann von Sven Regener

Jurybegründung:
Sven Stricker hat aus Sven Regeners Bestseller-Stoff ein mitreißendes Hörstück gemacht, vor allem die Sprecher um Florian von Manteuffel (Erzähler) und Florian Lukas (Herr Lehmann) begeistern. Eine schrullig-witzige Tragikomödie und ein Sittenbild der alten Kreuzberger Szene – großartig.

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In der Kategorie »Beste Verlegerische Leistung«

Ausgezeichnet wird Zweitausendeins für das Programmsegment »Zweitausendeins Dokument«

Jurybegründung:
Zweitausendeins Dokument legt Editionen vor, die den Begriff des Hörbuchs wörtlich nehmen und verlegerisch konsequent gedacht sind: Die Bände bieten eine bibliophile Anmutung, die den Themen gerecht wird – und verbinden dies zugleich mit einer inhaltlichen Tiefe und Fundierung der Begleitmaterialien, die in ihrer Verbindung herausragend ist.

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Der Deutsche Hörbuch-Preis 2008 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sieben Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Beste Interpretin«

Paint it Black von Janet Fitch

Der Preis geht an die Schauspielerin Anna Thalbach

Jurybegründung:
Es ist die zart-traurige Geschichte einer jungen Frau: der verzweifelten, abgestürzten, liebessehnsüchtigen Josie im Los Angeles der 80er Jahre. Gerade, als sie meint, ihr Glück gefunden zu haben, gerät ihre Welt aus den Fugen: Der Freund nimmt sich das Leben. Anna Thalbach liest den Pop-Roman der Amerikanerin Janet Fitch mit schier atemlosen Elan: mädchenhaft und doch kraftvoll. Durch ihre Stimme bekommt Josie Gestalt und die Geschichte ihres Überlebenskampfes spannende Intensität.

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In der Kategorie »Bester Interpret«

Der Meister des Jüngsten Tages von Leo Perutz

Der Preis geht an Peter Simonischek

Jurybegründung:
Alle Register des eindringlichen Erzählens sind es, die Peter Simonischek in seiner Interpretation des Leo Perutz-Texts mit beeindruckender Meisterschaft einsetzt, und mehr als das: Es gelingt ihm, das Verhältnis zwischen Beobachtung und Teilnahme, zwischen rätselhafter Handlung und abgründigen An- und Ausdeutungen immer wieder neu auszutarieren. Dabei zieht er den Hörer in ein Labyrinth von Ahnungen, Vermutungen, Verdächtigungen hinein, um ihn wenig später, immer zur rechten Zeit, wieder an die „Oberfläche“ des Handlungsfortgangs zu entlassen und ihn in dessen Strom mit fort zu ziehen. Den unvergleichlichen Sinn für das Lebensgefühl der von Perutz beschriebenen Epoche und ihrer Atmosphäre, die sparsamen wie wirksamen Charakterisierungen vermittelt Simonischek mit großer Könnerschaft und hält diese von Anfang bis Ende der Produktion durch.

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In der Kategorie »Das besondere Hörbuch / Regie

Die Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss

Jurybegründung:
Aus diesem Buch ein Hörbuch zu machen grenzt schon an Vermessenheit, daß das Projekt geglückt ist, erscheint wie ein kleines Wunder. Karl Bruckmaier ist es gelungen, den Text aus seinem Schweigen zu lösen, indem er ihn zerlegte, neu kombinierte und seine innere Rhythmik von den Sprechern hervorheben ließ. Die ganze Dramaturgie mit ihren leitmotivisch wiederkehrenden Geräuschen (Flügelschlag, Steinkratzen), kargen Tonfolgen und unvermittelten Montagen arbeitet das Exerzizienhafte dieses Romanprojekts heraus. Bruckmaier hat einen der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts aus den Bibliotheken und Literaturgeschichten befreit und, indem er ihn beredt machte, für die Nachgeborenen gerettet.

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In der Kategorie »Beste Information«

The Glenn Gould Trilogy - Ein Leben von Michael Stegemann

Jurybegründung:
Autor und Regisseur Michael Stegemann, der bereits 1992 eine Gould-Biografie geschrieben hat, ist regelrecht eingetaucht in das vielschichtige und umfangreiche Originalmaterial des kanadischen Piano-Genies. Dabei ist eine Collage aus Musik, Original-Ausschnitten und –Kommentaren, Presse-Artikeln, nachgespielten Szenen und Interview-Fragmenten entstanden, die für die Kategorie „Information“ Maßstäbe setzt. Der Hörer ist gefordert und fasziniert zugleich. Spielerisch erschließt sich das komplexe Wesen Goulds.

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In der Kategorie »Bestes Kinder-Jugendbuch

Liebe Tracey, liebe Mandy von John Marsden

Jurybegründung:
Es ist das große Verdienst der Sprecherinnen, die für das Genre Hörbuch günstige Vorlage des Briefromans optimal weiter entwickelt und zu einem aussagestarken, wirkungsvollen Ergebnis geführt zu haben. Beide verfügen über die notwendige Bandbreite, den Briefwechsel von Empörung bis Zärtlichkeit adäquat hörbar zu machen, beispielsweise das sehnsüchtige Warten auf den nächsten Brief glaubhaft zu instrumentieren und in gelungener Abstimmung Bezüge und auch Leerstellen des Textes zu gestalten. Anna Thalbach und Anna Carlsson geben nuanciert, präzise und gefühlvoll, aber nicht rührselig den Verletztheiten und Verletzlichkeiten zweier junger Mädchen Raum und Stimme. Sie steigern und halten die Spannung bis zum Ende des Hörbuchs, das der Anfang einer neuen Geschichte sein könnte

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In der Kategorie »Beste Fiktion«

Träume von Günter Eich

Jurybegründung:
Günter Eichs „Träume“ in der Inszenierung von Fritz Schröder-Jahn ist eine Legende der Hörspielgeschichte. Eine Produktion, die auch fünf Jahrzehnte nach der Ur-Sendung nichts an Kraft eingebüßt hat. Düster, bedrückend, brutal sind die Begebenheiten, von denen Eich – in gespenstisch lakonischem Ton – erzählt. Zu Eichs 100. Geburtstag haben fünf junge Hörspiel-Regisseure die „Träume“ neu inszeniert und beweisen, dass die Schreckensvisionen auch heute noch aufrühren.

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In der Kategorie »Beste Verlegerische Leistung«

Ausgezeichnet wird steinbach sprechende bücher und Scala Z Media GmbH« für die Reihe »Afrika erzählt«

Jurybegründung:
Ohne die afrikanische Literatur ist die Weltliteratur wie ein Orchester, dem einige wichtige Instrumente fehlen." (Doris Lessing, Nobelpreisträgerin 2007) Der Verlag steinbach sprechende bücher leistet nun einen einzigartigen Beitrag, auf daß wir das Weltenkonzert fortan ohne Mißtöne hören können. Die Edition "Afrika erzählt" versammelt herausragende Schriftsteller, von Nobelpreisträger Wole Soyinka bis Mariama Bà, der Ikone der afrikanischen Frauenliteratur. Prominente Schauspielerinnen und Schauspieler wie Nina Petri, Eva Mattes, Manfred Zapatka oder Walter Kreye geben den Märchen und Dorfgeschichten, den aktuellen politischen und poetischen Erzählungen unverwechselbaren Ausdruck.

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Der Deutsche Hörbuch-Preis 2007 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sieben Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Beste Interpretin«

Tannöd von Andrea Maria Schenkel

Der Preis geht an die Schauspielerin Monica Bleibtreu

Jurybegründung:
Monica Bleibtreu gelingt es auf beeindruckende Weise, die unterschiedlichen Charaktere herauszuarbeiten. Sie vergegenwärtigt die düstere Atmosphäre des Gehöfts (...). Niemals drängt sie sich als Erzählerin in den Vordergrund, sie bleibt stets Dienerin der Geschichte. (...) Grandios.

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In der Kategorie »Bester Interpret«

Die Brücke von Manfred Gregor

Der Preis geht an Volker Lechtenbrink

Jurybegründung:
In seiner Lesung erhebt sich (...) aus dern Brüchigkeit der erfahrenen Stimme des Sprechers eine Dynamik und Intensität der Sprache, die die Geschichte nachhaltig neu wirken lässt. (...) Es ist überraschend und beeindruckend, wie es dem Sprecher gelingt, einen vermeintlich überkommenen Stoff frisch und heutig klingen zu lassen.

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In der Kategorie »Das besondere Hörbuch / Musik«

Das Gespenst von Cantervill Ein Orchesterhörspiel nach Oscar Wilde

Jurybegründung:
Oscar Wildes Gespenstergeschichte wird hier kombiniert mit einem „didaktischen Ansatz“: Kinder werden an klassische Musik herangeführt. (...) Unprätentiös und auf eine sehr unerwachsene Art nimmt die Regie junge Hörer an die Hand und führt sie ein in die Welt der Flöten, Bratschen und Pauken.

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In der Kategorie »Beste Information«

Hitler und die Künstler – Mit den Wölfen geheult von Volker Kühn

Jurybegründung:
Die Produktion ist unbequem, denn sie legt den Finger auf Wunden (...); sie bringt aufs Tapet, was niemand wissen wollte, sie nennt Namen, die man für harmlos hielt, und verknüpft sie mit erschütternden Fakten. Volker Kühns Produktion(...) ent-täuscht im wahrsten und aufklärerischsten Sinne des Wortes.

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In der Kategorie »Bestes Kinder-Jugendbuch«

Belgische Riesen von Burkhard Spinnen

Jurybegründung:
Der Sprecher stellt sich in den Dienst der Hauptfiguren, indem er die Kinder sprechen lässt, wie Kinder sprechen – und nicht wie Erwachsene sich das vorstellen oder wünschen. (...) Zwischen den gelesenen Kapiteln sorgen kurze Tonfolgen und Lautsprengsel für eine angenehm sparsame und deshalb wirkungsvolle Interpunktion.

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In der Kategorie »Beste Fiktion«

Lissabonner Requiem. Eine Halluzination von Antonio Tabucchi

Jurybegründung:
Ueli Jäggi liest die anspielungsreiche, in perspektivischer Brechung komponierte Prosa so, dass für den Hörer die Zeit- und Realitätsebenen ineinander fließen (...) Das ist stimmlich höchst kunstvoll inszeniert, jede Szene lebt aus der Situation heraus, ohne sie aber eindeutig zu fixieren.

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In der Kategorie »Beste Verlegerische Leistung«

Ausgezeichnet wird der Verlag Hörkultur, Zürich, für sein Gesamtprogramm. Preisträger sind die Verleger Wolfgang und Martina Koch.

Jurybegründung:
Die notwendigen Entscheidungen werden vom Verlegerpaar Martina und Wolfgang Koch mit Bedacht und Besonnenheit gefällt. Ungewöhnliche Beigaben wie DVD´s oder CD´s (...) sowie hilfreiche Booklet-Texte machen die bislang erschienenen fünf Produktionen zu Genüssen (...) für alle Sinne und Ansprüche.

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Der Deutsche Hörbuch-Preis 2006 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sechs Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Best of All«

Unter dem Milchwald von Dylan Thomas

Ausgezeichnet wird Götz Fritsch für die Hörspielbearbeitung und Regie.

Jurybegründung:
Götz Fritsch als Regisseur war zweifach herausgefordert, einmal durch die inzwischen 'klassische' Aufnahme dieses Hörspiels in seiner Originalsprache, dem walisischen Englisch, zum andern durch die Versuchung, dem Stück folkloristisch-gälische Musik beizugeben. Dem hat er widerstanden, indem er in deutscher Sprache Sprecher mit sehr individuellen, ausdrucksstarken Stimmen ausgewählt hat. (...) Insgesamt ist dies ein Hörspiel – und damit ein Hörbuch –, das erstaunlich liebevoll und sorgfältig durchgearbeitet ist, in ruhigem, humanem Tempo verläuft und von Spielfreude und Menschenfreundlichkeit in einem Maße zeugt, wie es die Originalaufnahmen von Dylan Thomas selbst zeigen. Ein Glücksfall in der Geschichte des Hörspiels war »Under Milk Wood« schon immer und ist es nun auch in der Geschichte des Hörbuchs."

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In der Kategorie »Beste Unterhaltung«

Der Nazi & der Friseur von Edgar Hilsenrath

Der Preis wird verliehen an den Autor Edgar Hilsenrath und den Schauspieler Bodo Primus.

Jurybegründung:
Der Roman ist ein eindrucksvoller Beleg für die These, dass Unterhaltung durchaus literarisch sein kann, und umgekehrt, aber vor allem ein Beleg, dass mit dem Werkzeug der Unterhaltung selbst das vermeintlich Unsagbare des Holocaust darstellbar ist. Der Sprecher Bodo Primus fügt sich der schwarzhumorigen Satire, weder zurückgehalten von distanzierendem Respekt vor dem Thema, noch getrieben von der sprachlichen Zuspitzung ihrer Komik. Seine Interpretation changiert geschickt zwischen den Ebenen von Täter und Opfer, ruhig und gekonnt an der Oberfläche der Erzählung, um zugleich und wenn nötig, die unglaublichen Hintergründe zu illustrieren oder ihre Abgründe auszuleuchten. Die Neuedition als ungekürztes Hörbuch bietet die Chance, den Roman Der Nazi & Friseur wieder zu entdecken.

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In der Kategorie »Beste Information«

Weinen Sie nicht, die gehen nur baden! von Jochanan Shelliem

Ausgezeichnet wird der Autor Jochanan Shelliem.

Jurybegründung:
Der Journalist und Autor Jochanan Shelliem hat aus der bislang unveröffentlichten Materialfülle ein einstündiges Feature erarbeitet, dass trotz seiner Knappheit einen authentischen Eindruck vermittelt von der Atmosphäre im Gerichtssaal – und von der Ungeheuerlichkeit des Geschehenen in der Todesfabrik Auschwitz. Berichtet Shelliem in einem zweiten Erzählstrang von der Geschichte des Prozesses, sind es die originalen Stimmen, die der gebrochenen Opfer wie die der leugnenden Täter, die dem Zuhörer das ganze Ausmaß des Grauens in Erinnerung rufen. Das Feature Weinen Sie nicht, die gehen nur baden! ist ein einzigartiges Tondokument, das zumal einem jüngeren Publikum zu Gehör gebracht werden möge: Als Geschichtsunterweisung, wie sie authentischer nicht stattfinden kann.

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In der Kategorie »Bestes Jugendhörbuch«

Lauf, Junge, lauf von Uri Olev

Preisträger ist der Autor Uri Orlev.

Jurybegründung:
Ein Stück Zeitgeschichte? Ein Abenteuer? Ein Jugendroman? Lauf, Junge, lauf ist alles zusammen. (...) Ulrich Pleitgen interpretiert Skrulik – einen Jungen ohne Kindheit – mit großer Intensität und Ernsthaftigkeit. Er erkennt, dass Orlev für das eigentlich Unfassbare eine Sprache gefunden hat, die sich ausschließlich an das Faktische hält. Der Hörer kann so ganz bei Skrulik bleiben, den seine Instinkte leiten und dem gar keine Zeit für Gefühle bleiben. (...) Er vermittelt Lauf, Junge, lauf mit jener Präzision, die nötig ist, die historische Katastrophe der Naziherrschaft in einem einzelnen Schicksal deutlich zu machen. Gerade weil sich Schrecken und Spannung dabei so sehr die Waage halten, möchten wir Lauf, Junge, lauf als bestes Jugendhörbuch des Jahres 2005 auszeichnen.

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In der Kategorie »Beste Interpretation«

Jane Eyre von Charlotte Brontë

Der Preis geht an die Schauspielerin Sophie Rois.

Jurybegründung:
Es ist ein Roman der reißenden Leidenschaften und aufs feinste abgestuften Gefühle, der verhaltenen Stimmungen und des Lebenshungers – ihn für unsere Ohren glaubwürdig zu übersetzen ist ein Kunststück, das Sophie Rois virtuos gelingt. Die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme scheint beinah grenzenlos: mal von zärtlicher Intensität, mal von ungezügelter Gewalt, mal verhalten bebend, dann wieder verzweifelt ausbrechend – ob Zorn, Liebe oder Hass: nichts gibt es auf der Skala der Gefühle, was Sophie Rois nicht hörbar zu machen verstünde. So entsteht ein akustisches Seelengemälde, das bis in die Nebenfiguren der Diener und Hausdamen hinein unverwechselbar nuanciert wird (...). Wohl selten kamen in einem Hörbuch derart virtuos menschliche Gefühlsvielfalt und -kraft zu Ton und Stimme.

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In der Kategorie »Das besondere Hörbuch«

Wörter Sex Schnitt. Originaltonaufnahmen 1973 von Rolf Dieter Brinkmann

Ausgezeichnet wird der Autor Rolf Dieter Brinkmann († 1975), für den Maleen Brinkmann den Preis entgegen nimmt.

Jurybegründung:
Ein Mann, ein Mikrophon, ein Aufnahmegerät, eine Frau, ein Sohn, Freunde, Musik, eine Stadt. Indem Rolf Dieter Brinkmann diese Elemente in immer neue Konstellationen und Konfrontationen bringt, schafft er Kurz- und Kürzesthörspiele, in denen sich die Spannungen der Nachkriegsgesellschaft ebenso entladen wie die durch sie verursachten urbanen und sozialen Verwerfungen der deutschen Großstädte zu Beginn der 70er Jahre. Brinkmanns beständiges Experimentieren, seine Versuche, zwischenmenschliche wie künstlerische Grenzen zu überschreiten und zu neuen Verbindungen zu gelangen, führen (...) zu einem Formenreichtum, der weit über den damaligen literarischen wie hörspielästhetischen Stand hinausreicht und bis heute noch nicht eingeholt ist. So ist Rolf Dieter Brinkmann: Wörter Sex Schnitt ein Glücksfall der Gattung Hörbuch: unzeitgemäß und zeitlos, ein Archiv der Ideen, der Stimme und Stimmungen eines herausragenden Medienartisten; somit Inspirationsquelle und Kraftwerk, authentisches Zeugnis und höchste Kunst.

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Der Deutsche Hörbuch-Preis 2005 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sechs Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Best of All«

Krupp oder Die Erfindung des bürgerlichen Zeitalters von Peter Märthesheimer

Ausgezeichnet wird der Autor Peter Märthesheimer († 2004), für den Dr. Pea Fröhlich den Preis entgegennimmt.

Jurybegründung:
Das von der Jury mit dem Prädikat »Best of all« ausgezeichnete Hörbuch ist – in jedem Sinne – eine gelungene Erfindung "über" das bürgerliche Zeitalter. An dem Großindustriellen Alfred Krupp exemplifiziert Peter Märthesheimer die makabre Geschichte Deutschlands von 1870 bis 1945. Seine Kunst besteht darin, dass er dem Zuhörer von Anfang an deutlich macht: Hier wird übertrieben, aber die verfremdende Übertreibung ins Komische "stimmt", weil sie uns Abstand gewinnen lässt und so die Freiheit gibt, mitzudenken und – in diesem Sinne mitspielend – selbst Zusammenhänge wahrzunehmen und Folgerungen zu ziehen. Wir sollen merken, dass alle Akteure in diesem akustischen Marionettenspiel an Drähten gezogen werden – und weil wir das merken, können wir die ungeheuerlichen Wahrheiten schlucken, die von den Herrschenden ganz selbstverständlich ausgesprochen und in Szene gesetzt werden. So kommt das Erstaunliche zustande, dass dieses Spiel wunderbar unterhält und damit zeigt, dass Unterhaltung durchaus anspruchsvoll sein kann. Gleichzeitig wird ausgezeichnet informiert, weil wir bei der Erschließung der Information mittun können. Die sprecherische Interpretation hat durchweg ein sehr hohes Niveau.

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In der Kategorie »Best of All«

Der Mann ohne Eigenschaften, Remix von Robert Musil

Ausgezeichnet werden Katarina Agathos, Herbert Kapfer und Klaus Buhlert.

Jurybegründung:
Man kann Agathos/ Kapfers/ Buhlerts Produkt eines »Mann ohne Eigenschaften« - Remix als das erste Beispiel dafür sehen, wie dem intellektuellen Niveau und der Struktur eines komplexen Textes entsprochen, ja geantwortet werden kann – und die Jury würde sagen: geantwortet werden muss. Denn bei Musils »Der Mann ohne Eigenschaften« haben wir ein Fragment vor uns, das nach ungefähr 800 Seiten sich in eine große Zahl von Ansätzen, Bruchstücken und Notizen auflöst, die mehr in Richtung einer offenen Diskussion als in Richtung eines geschlossenen Meisterwerks deuten. Die nicht nachlassende Intensität, der Ernst und die Spielfreude, mit der die Beteiligten an diesem Hörwerk, Sprecher wie Diskursführende den Musilschen Intentionen entsprechen, ihre Lust, auf eine Herausforderung heiter, verantwortlich und medienbewusst einzugehen, setzen Maßstäbe sowohl für künftige Hörspiele wie auch für Hörbücher obersten Ranges.

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In der Kategorie »Beste Unterhaltung«

Gefahr ist ihr Geschäft von Raymond Chandler

Der Preis wird verliehen an den Bearbeiter und Regisseur Hermann Naber.

Jurybegründung:
Die Hörspiele, die Hermann Naber vor allem aus einigen Kriminal-Stories von Chandler gemacht hat, arbeiten das Doppelgesicht in Chandlers Prosa heraus: Ihre so lakonische wie unpathetische Gesellschaftskritik und die neue Geographie des Abenteuers, die sich zwischen Nachtclub und Luxusvilla, schäbigen Hotels und eleganten Büros erstreckt, sind in diesen Hörspielen zu akustischen Bildern und großer Dichte ausgemalt. Ihren Teil daran haben natürlich auch die sorgfältig ausgewählten und vielfach inzwischen zu Meistern des Hörbuch-Genres aufgestiegenen Sprecher wie Otto Sander, Matthias Ponnier, Ulrich Pleitgen oder Christian Brückner.

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In der Kategorie »Beste Information«

Chronik des Jahrhunderts 1900 – 2000 von Dorothee Mayer-Kahrweg

Der Preis geht an die Autorin Dorothee Mayer-Kahrweg.

Jurybegründung:
In großen Schnitten in Jahrzehnten angelegt und geordnet nach den wichtigen Themen der jeweiligen Jahre liegt hier ein akustisches Gedächtnis für ein ganzes Jahrhundert vor. Dabei klingen bald Stimmen heraus, repräsentative Einzeltöne, die man kennt, wie der rheinisch-singende Ton Konrad Adenauers oder auch der Tonfall eines Schlagerstars wie Freddy Quinn, und die ein in unserer Erinnerung vorhandenes Repertoire an Akustik bestätigen. Aber gleichzeitig werden typische Stimmlagen deutlich, deren Sound Ausdruck ihrer Zeit ist, vor allem in der Politik. Diese Sammlung macht aber auch bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich, wie Stimmen überreden und überzeugen, mitreißen, verteufeln oder schmeicheln, argumentieren und polemisieren mussten in einer Zeit ohne Fernsehen. Man sieht gleichsam die Gesten ihrer Sprecher, wenn man ihnen zuhört, ohne ihnen zuschauen zu können. Und noch etwas wird deutlich in diesem grandiosen Zusammenschnitt: die Bedeutung des Rundfunks. Das meint nicht nur seine Archive, die den größten Teil der Quellen zur Verfügung stellten, sondern seine Rolle für das Funktionieren der Gesellschaft im 20. Jahrhundert.

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In der Kategorie »Beste Interpretation«

Jackie von Elfriede Jelinek

Preisträgerin ist die Schauspielerin Marion Breckwoldt.

Jurybegründung:
Eine derartige Kostbarkeit wie ich entsteht durch Betonung und Betonierung", sagt Jelineks Jackie. Die Schauspielerin Marion Breckwoldt, die dem Kind in der Frau, die ein Bild ist, die Stimme leiht, hat sich von Begriffen wie "Kostbarkeit", "Betonung" und "Betonierung" nicht dazu verführen lassen, die Register ihrer schauspielerischen Virtuosität zu ziehen, sondern hat das einzige Wahre gemacht: Sie hat den schmalen Raum aufgespürt, in dem dieses Monster der Künstlichkeit einen Rest eigenen Lebens und Denkens verwahrt, und hat diesen Raum im Vertrauen auf ihre Künste vergrößert. Dabei hat sie sich von der Jelinekschen Sprache in einer Weise ergreifen lassen, die dazu führte, daß die Sprache selbst, und nicht das Ego der Darstellerin, ihrer Stimme die Mittel diktierte. Marion Breckwoldt hat den schmalen Raum, in dem diese Jackie zwischen dem Dienst am Bild und dem Opfern der Seele einen Rest von eigenem Leben und Denken behauptet, in einer Weise ausgelotet, die aus dem Drama einer Frau, die der ikonensüchtigen Welt ihre Seele opfert, ein ebenso faszinierendes wie herzzerreißendes Hör-Spiel macht.

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In der Kategorie »Bestes Jugendhörbuch«

Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt von Hermann Schulz

Ausgezeichnet werden der Autor Hermann Schulz und der Sprecher Tristan Rehrl

Jurybegründung:
Die Audioversion von »Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt« führt die Stärken der 2002 erschienenen Buchvorlage von Hermann Schulz kongenial fort. Die kenntnisreiche und unprätentiöse Schilderung des Alltagslebens am Tanganijkasee wird vom Münchner Schüler Tristan Rehrl in der Rolle des zwölfjährigen Temeo lebendig interpretiert. Rehrl versteht es, jene Balance zwischen Ironie und Schicksal herzustellen, mit der Temeo die bedrohliche Situationen für sich und seine Familie meistert. Ohne erhobenen Zeigefinger und pädagogische Keule wird auf diese Weise eine Brücke in die afrikanische Lebenswirklichkeit jenseits der Fernsehbilder von Kriegen und Seuchen geschlagen.

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In der Kategorie »Das besondere Hörbuch«

parlando — Edition Christian Brückner

Der Preis wird verliehen an die Herausgeber Christian und Waltraut Brückner.

Jurybegründung:
Was kann eine Stimme und das Programm eines Hörbuchverlages verbinden? Eine Stimme kann "Programm" sein, Markenzeichen, Prädikat für herausragende Vorlesekunst. Das ist die erste, die wichtigste Verbindung von Christian Brückner und dem Programm des von ihm und seiner Frau Waltraut initiierten Hörbuch-Labels »parlando«. Aber seine Stimme und das »parlando«-Programm verbindet noch etwas Subtileres: das Zögern. Jedem Satz, den Brückner auf den Hörbüchern von »parlando« spricht, hört man an, dass seine Worte vorher gewogen wurden, nach-gedacht, in den Rhythmen des Textes verortet wurden. Er nutzt die literarischen Texte nicht, um sich wie ein Schauspieler "Auftritte" zu verschaffen. Hauptdarsteller aller Parlando-Hörbücher ist die Sprache selbst mit ihren Brüchen, Zwischentönen, Abgründen, Höhepunkten.

Diese Bedachtheit, dieses Kunstverständnis und dieser Anspruch an die Arbeit an einem Text zeichnet auch die Zusammenstellung des Programms der Edition »parlando« aus. Hier wird wie in kaum einem anderen Hörbuchverlag der kaufmännische Gedanke hinter den künstlerischen Anspruch zurückgestellt, hinter den Impetus, bedeutende Texte – politische wie die von Chomsky und Thoreau, literarische wie die von Rilke, Carver, Johnson, Flaubert – als Hörbuch zugänglich zu machen und sie somit auf neue Weise der Gegenwart zu erschließen.

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Der Deutsche Hörbuch-Preis 2004 geht an folgende Produktionen:

Die Auszeichnung wurde in sechs Kategorien vergeben:

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In der Kategorie »Best of All«

Auf Schwimmen - zwei - Vögel von Flann O’Brian

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In der Kategorie »Beste Interpretation«

Bartleby, der Schreiber von Herman Melville

Der Preis geht an den Schauspieler Ueli Jäggi

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In der Kategorie »Beste Information«

Versuchen wir das Unmögliche – Erinnerungen an Che Guevara von Dr. Ursula Voss

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In der Kategorie »Bestes Kinder-/Jugendhörbuch«

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